Studienpräsentation: Heimplatzsituation in der Stadt Salzburg

Wohnheime sind ein zentraler Baustein für leistbares Wohnen junger Menschen
20.04.2026
Studie zur Heimplatzsituation in der Stadt Salzburg vorgestellt
Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl (li.) und Patrick Lüftenegger vom Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR) bei der Präsentation der Studie zur Heimplatzsituation junger Menschen in der Stadt Salzburg.

Die Wohnraumsituation für junge Menschen ist in der Stadt Salzburg seit Jahren angespannt. Studierende, Schüler:innen und Auszubildende sind besonders stark auf leistbare und verlässliche Wohnangebote angewiesen. Gerade Wohnheime übernehmen dabei eine wichtige Funktion, weil sie für viele junge Menschen eine der wenigen realistischen Wohnoptionen darstellen. Die vorliegende Erhebung wurde vom SIR – Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen GmbH im Auftrag des Wohnservice der Stadt Salzburg erstellt. Sie untersucht Anzahl, Struktur, Kosten, Auslastung und Ausstattung der Wohnheime für junge Menschen in der Stadt Salzburg und schafft damit eine belastbare Grundlage für die weitere wohnungspolitische Diskussion.

Junge Menschen in Ausbildung sind ganz besonders auf leistbaren Wohnraum angewiesen. Je mehr Studierende in einem Wohnheim Platz finden, desto mehr entlastet es den Salzburger Wohnungsmarkt. Denn die Umwandlung von Drei- und Vierzimmer-Wohnungen in WGs bringt zwar mehr Mieteinnahmen, verknappt aber das Angebot für Familien. Gerade in der Altstadt gibt es ungenutzten Wohnraum, oft ohne Lift und Parkplatz, der aber für Studierende geeignet ist“, erklärt der für Wohnen zuständige Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl.

Die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung im Überblick

  • Wohnheime sind ein wesentlicher Teil der Wohnversorgung junger Menschen
    Im Rahmen der Erhebung wurden 31 Wohnheime für junge Menschen im Stadtgebiet Salzburg erfasst, darunter 28 Studierendenwohnheime und 3 Schüler:innenwohnheime. Insgesamt stehen knapp 2.900 Heimplätze zur Verfügung, davon rund 400 für Schüler:innen. Auffällig ist die klare Ausrichtung auf Einzelzimmer: Rund 1.900 Heimplätze entfallen auf diese Wohnform. Damit zeigt sich deutlich, dass individualisierte und zugleich vergleichsweise kompakte Wohnformen im Heimsegment heute eine zentrale Rolle spielen.
    Die Struktur des Angebots ist dabei heterogen. Es gibt kleinere Häuser mit wenigen Plätzen ebenso wie größere Einrichtungen mit über 200 Heimplätzen. Den größten Anteil bilden mittelgroße Wohnheime. Gleichzeitig wird mehr als die Hälfte des gesamten Angebots von nur drei Anbietern getragen. Das zeigt: Das Heimsegment ist für die Wohnversorgung junger Menschen unverzichtbar, zugleich aber auch in hohem Maß von einigen wenigen Trägern abhängig.
     
  • Das Angebot ist praktisch vollständig ausgelastet
    Die Erhebung zeigt eine durchgehend sehr hohe Auslastung der Wohnheime. Sämtliche erfassten Wohnheime weisen im Winter- wie im Sommersemester eine Auslastung von nahezu 100 Prozent auf. Leerstände konnten in keinem erhobenen Wohnheim festgestellt werden. Das bedeutet: Das bestehende Angebot ist vollständig ausgeschöpft und es gibt keine kurzfristig mobilisierbaren Reserven.
    Hinzu kommt, dass nahezu alle Wohnheime Wartelisten führen. Bei größeren Heimträgern liegen diese je nach Standort und Zeitpunkt zwischen rund 25 und bis 250 Personen. Diese Wartelisten machen deutlich, dass das bestehende Angebot den tatsächlichen Bedarf nicht deckt. Wer keinen Heimplatz bekommt, muss auf den ohnehin angespannten allgemeinen Wohnungsmarkt ausweichen.
    Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass der Ausbau leistbarer Heimplätze eine zentrale Stellschraube für die Verbesserung der Wohnsituation junger Menschen in der Stadt Salzburg darstellt. Die Kombination aus vollständiger Auslastung und umfangreichen Wartelisten spricht für einen zusätzlichen Bedarf an leistbaren Angeboten, der durch neue Heimplätze oder gezielte Bestandserweiterungen gedeckt werden muss“, ergänzt Patrick Lüftenegger vom Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen.
     
  • Leistbare Plätze sind besonders relevant
    Die monatlichen Kosten für Einzelzimmer in Salzburger Wohnheimen reichen laut Erhebung von rund 320 bis zu 750 Euro. Knapp ein Fünftel der Heimplätze liegt im unteren Preissegment, rund zwei Drittel im mittleren Segment. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass gerade diese unteren und mittleren Preisbereiche wohnungspolitisch besonders relevant sind. Denn für viele junge Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln stellen auch Heimplätze bereits eine erhebliche Belastung dar.
    Gerade deshalb kommt leistbaren Einzelzimmern besondere Bedeutung zu: Sie entsprechen den heutigen Wohnbedürfnissen junger Menschen und erleichtern zugleich den Zugang zum Wohnungsmarkt. Die Sicherung und der Ausbau von Heimplätzen im unteren und mittleren Preissegment sind daher ein zentraler Hebel, wenn Wohnen für junge Menschen in Salzburg leistbar bleiben soll.
     
  • Wohnheime bieten mehr als nur ein Zimmer
    Die Studie zeigt auch, dass die Wohnheime über eine gute Basisausstattung verfügen. Sozial- und Aufenthaltsräume, Waschmaschinen sowie Fahrrad- und Pkw-Abstellplätze gehören überall zur Grundinfrastruktur. Darüber hinaus bestehen je nach Haus zusätzliche Angebote wie Lern-, Bewegungs-, Musik- oder Mehrzweckräume. In günstigeren Segmenten wird stärker auf gemeinschaftlich nutzbare Flächen gesetzt, während höherpreisige Angebote häufiger über eigene Kochmöglichkeiten im Zimmer verfügen.
    Gerade darin liegt auch ein Entwicklungspotenzial: Gemeinschaftsflächen können Wohnraum flächen- und kosteneffizient organisieren und gleichzeitig soziale Qualität schaffen. Die Studie verweist in diesem Zusammenhang auch auf innovative Wohnformen wie Clusterwohnungen. Wohnheime sind damit nicht nur ein bestehendes Angebot, sondern auch ein möglicher Ausgangspunkt für neue Modelle des leistbaren Wohnens.

Politische Einordnung und Handlungsbedarf
Die Ergebnisse zeigen klar: Wohnheime sind kein Nischenangebot, sondern ein zentraler Baustein für leistbares Wohnen junger Menschen in der Stadt Salzburg. Ohne sie würde der Druck auf kleine Mietwohnungen und Wohngemeinschaften noch stärker steigen. Bereits jetzt ist das vorhandene Angebot vollständig ausgelastet. Es gibt keine Reserve, gleichzeitig bestehen Wartelisten. Daraus ergibt sich ein struktureller Handlungsbedarf.

Für die Stadt Salzburg bedeutet das vor allem drei Dinge:

  • Das bestehende Angebot an Heimplätzen muss gesichert werden. Wohnheime übernehmen bereits heute eine tragende Funktion in der Wohnversorgung junger Menschen.
  • Leistbare Heimplätze im unteren und mittleren Preissegment müssen ausgebaut werden. Genau dort ist der wohnungspolitische Nutzen am größten.
  • Neue und flächeneffiziente Wohnformen für junge Menschen sollten aktiv mitgedacht und weiterentwickelt werden. Die Studie zeigt, dass gemeinschaftlich organisierte Wohnformen hier erhebliches Potenzial haben.

Bundesheimförderung soll wieder eingeführt werden
Bis 2010 gab es eine Bundesheimförderung, deren Wiedereinführung in das aktuelle Regierungsprogramm der Bundesregierung aufgenommen wurde. Als Universitätsstadt setzt sich Salzburg dafür ein, dass die Wiedereinführung auch tatsächlich umgesetzt wird.

Die zentrale politische Schlussfolgerung lautet daher: Wer leistbares Wohnen für junge Menschen in Salzburg ernsthaft verbessern will, muss das Heimsegment stärker in den Fokus rücken. Der Ausbau zusätzlicher, leistbarer Heimplätze kann nicht nur die Situation von Studierenden, Schüler:innen und Auszubildenden verbessern, sondern auch den allgemeinen Wohnungsmarkt entlasten.

Tobias Neugebauer