Writer in Residence 2026: Carolina Schutti schreibt im November in Salzburg
H.C. Artmann Lyrik-Stipendiatin arbeitet an neuem Projekt über Bedrohung und liest am 18. November aus „Relative Ruhe“
Die Stadt Salzburg vergibt das H.C. Artmann Lyrik-Stipendium 2026 an die Innsbrucker Autorin Carolina Schutti. Im November wird sie als Writer in Residence einen Monat lang in Salzburg leben und arbeiten. Den Aufenthalt möchte die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin vor allem nutzen, um sich intensiv ihrem aktuellen Schreibprojekt zu widmen. Am 18. November ist sie zudem bei einer öffentlichen Lesung in der Stadtgalerie Museumspavillon zu erleben.
Bürgermeister Bernhard Auinger gratuliert: „Der Writer in Residence Aufenthalt von Carolina Schutti zeigt, wie sehr Salzburg von künstlerischem Austausch lebt. Solche Programme stärken unsere Kulturlandschaft, öffnen neue Perspektiven und machen die Stadt zu einem Ort, an dem Literatur wachsen kann.“
Eine unverwechselbare Stimme der Gegenwartsliteratur
Carolina Schutti wurde 1976 in Innsbruck geboren und lebt und arbeitet dort. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Amerikanistik sowie klassische Gitarre, absolvierte eine Gesangsausbildung und promovierte über Intertextualität bei Elias Canetti. Sie war unter anderem Lektorin an der Universität Florenz und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Literaturhaus am Inn.
Seit 2007 veröffentlicht Schutti literarische Texte. 2010 erschien ihr Debüt „Wer getragen wird, braucht keine Schuhe“, das für den Rauriser Literaturpreis nominiert wurde. Es folgten Romane, Erzählungen, Hörspiele, experimentelle Bühnenstücke und Lyrik. Ein besonderes Interesse gilt interdisziplinären Projekten an der Schnittstelle von Musik, Theater und Sprache sowie internationalen künstlerischen Kooperationen. Ihre Werke wurden in zahlreiche inner- und außereuropäische Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet.
Die Jury würdigt Carolina Schutti als renommierte Autorin mit großer poetischer Kraft, atmosphärischer Stärke und unverwechselbarer Stimme. Ihre Texte seien stets am Puls der Zeit und verbänden ernste Themen mit bemerkenswerter Zartheit. Besonders ihre reduzierte und verdichtete Sprache lasse Bilder entstehen, die nachwirken und zum Weiterlesen einladen.
„Unter dem Motto ‚More than a guest‘ feiert die Stadt Salzburg im heurigen Jubiläumsjahr, was die Residenzprogramme seit Jahrzehnten auszeichnet: den Austausch über Grenzen hinweg und die Vernetzung von Menschen, Ideen und Sparten. Davon profitiert auch Salzburg als Literaturstandort. Wir freuen uns sehr, mit Carolina Schutti eine profilierte Autorin als Writer in Residence willkommen zu heißen und gratulieren herzlich zum Stipendium“, betont Kulturabteilungsvorständin Dagmar Aigner.
„Kurze Auszeit aus dem Alltag“ für neues Schreibprojekt
An ihrem Aufenthalt als Writer in Residence schätzt Schutti insbesondere die „kurze Auszeit aus dem Alltag“. Der November in Salzburg gibt ihr die Möglichkeit, sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren.
In ihrem aktuellen Projekt setzt sie sich mit Bedrohung und dem Gefühl des Bedrohtseins auseinander. Auch dieses Werk soll mittels Lyrik eine Geschichte erzählen. Im Mittelpunkt steht ein rastloses Ich, das in einer von Krisen, Gewalt und alltäglichen Bedrohungen geprägten Gegenwart zwischen Eskapismus und Verzweiflung nach einem Gleichgewicht sucht.
Bereits im Herbst 2026 erscheint im Literaturverlag Droschl ihr neuestes Werk „Relative Ruhe“. Das Langgedicht beschäftigt sich mit der jahrzehntelangen, unreflektierten Nachnutzung eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers bei Schwaz in Tirol. Schutti nutzt dabei die Möglichkeiten der Lyrik, um historische Auseinandersetzung, Beobachtung und sprachliche Verdichtung miteinander zu verbinden.
Zu ihren veröffentlichten Werken zählen unter anderem:
- „Relative Ruhe“ (Langgedicht, Droschl 2026)
- „Meeresbrise“ (Roman, Droschl 2023)
- „Der Himmel ist ein kleiner Kreis“ (Roman, Droschl 2021)
- „Patagonien“ (Roman, edition laurin 2020)
- „Nervenfieber“ (Lyrik, edition laurin 2018)
- „Eulen fliegen lautlos“ (Novelle, edition laurin 2015)
- „Einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein“ (Otto Müller 2012)
- „Wer getragen wird, braucht keine Schuhe“ (Otto Müller 2010)
Lesung am 18. November im Museumspavillon
Während ihres Aufenthalts können Interessierte Carolina Schutti auch persönlich erleben: Am Mittwoch, 18. November 2026, um 19 Uhr liest sie aus „Relative Ruhe“. Die Lesung findet im Rahmen der Jubiläumsausstellung „More than a guest“ in der Stadtgalerie Museumspavillon im Mirabellgarten statt.
2026 feiert die Stadt Salzburg gleich zwei Jubiläen ihrer internationalen Residenzprogramme: Seit 40 Jahren lädt das Artists-in-Residence-Programm Kunstschaffende nach Salzburg, seit 20 Jahren besteht das Scientists-in-Residence-Programm. Begleitet werden die Jubiläen von einer Reihe von Veranstaltungen.
Über das H.C. Artmann Lyrik-Stipendium
Mit dem H.C. Artmann Lyrik-Stipendium lädt die Stadt Salzburg seit 2008 Autor:innen dazu ein, sich mit dem Werk des österreichischen Dichters H.C. Artmann auseinanderzusetzen und zugleich eigene literarische Projekte voranzubringen.
Das Stipendium ist mit 1.500 Euro dotiert und umfasst einen kostenlosen Aufenthalt in der Wohnung Tobias, ein Klimaticket für das Bundesland Salzburg sowie die Übernahme der An- und Abreisekosten innerhalb Europas. Vergeben wird es in Kooperation mit dem Literaturhaus Salzburg, der Paris Lodron Universität Salzburg und mosaik – Verein zur Förderung neuer Literatur und Kultur.
Neben konzentrierter Arbeitszeit eröffnet der Aufenthalt den Stipendiat:innen die Möglichkeit, sich mit der Salzburger Literaturszene zu vernetzen. Begegnungen mit Kolleg:innen und Student:innen, eigene Lesungen und der Besuch von Veranstaltungen im Literaturhaus Salzburg sind ausdrücklich erwünscht.
H.C. Artmann und Salzburg
Hans Carl Artmann (1921–2000) war einer der bedeutendsten österreichischen Dichter, Sprachkünstler und Mitinitiator der „Wiener Gruppe“. Neben seinem eigenen literarischen Schaffen war er als Übersetzer tätig und setzte sich intensiv für junge Autor ein. Artmann lebte viele Jahre in Salzburg und wurde 1991 mit dem Literaturpreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg ausgezeichnet. Seit 2003 trägt der Platz vor dem Literaturhaus Salzburg seinen Namen.
Lapuch Laura BA