Thermische Sanierung: Erste Wohngebäude fertig gestellt
Im Sommer 2009 hat der Gemeinderat der Stadt Salzburg die umfassende thermische Sanierung der im Eigentum der Stadt Salzburg stehenden Wohngebäude beschlossen. Nach nur 15 Monaten Bauzeit konnte jetzt der erste Teil des Sanierungsprogramms abgeschlossen werden. Rund 3,1 Millionen Euro hat die Stadt für die 177 Wohnungen der ersten Tranche in die Hand genommen.
„Es freut mich sehr, dass die Fertigstellung so zügig vorangegangen ist und wir für die Mieter erhebliche Verbesserungen ihrer Wohnverhältnisse erreichen konnten“, so der für die Kommunale Liegenschaftsverwaltung (KgL) ressortzuständige Bürgermeister-Stellvertreter Martin Panosch.
Thermische Sanierung - Grundlage des Parteienübereinkommens
Neben den klassischen „betriebsnotwendigen“ Immobilien wie Amtsgebäuden, Schulen, Kindergärten und Feuerwehren besitzt die Stadt Salzburg rund 2.250 Wohnungseinheiten. Im Zuge der Parteienverhandlungen 2009 hat die KgL ein umfangreiches Sanierungsprogramm für den Zeitraum 2009–2014 erarbeitet, welches beschlossen wurde und die Grundlage für das Parteienübereinkommen für die laufende Amtsperiode des Gemeinderates bis 2014 bildet. Schwerpunkt des Sanierungsprogramms sind die stadteigenen Wohngebäude in der Liliengasse, Nikolaus-Lenau-Straße, Joachim-Haspinger-Straße, Kreuzstraße, Christian-Doppler-Straße, Pillweinstraße, Leonhard-von-Keutschach-Straße, Schulstraße, Innsbrucker Bundesstraße, Ignaz-Harrer-Straße, Roseggerstraße, Rudolf-Biebl-Straße und Strubergasse.
Für die insgesamt 37 Sanierungsobjekte wurden 13,4 Millionen Euro im mittelfristigen Budget der Stadt veranschlagt. Da nicht alle Objekte gleichzeitig saniert werden können, wird das Programm in Etappen umgesetzt.
Die erste Etappe sah folgende Objekte vor:
Liliengasse (4, 6, 8 ,10) 48 Wohnungen
Nikolaus-Lenau-Straße (1,3,5) 18 Wohnungen
Joachim-Haspinger-Straße (3,5,7) 15 Wohnungen
Christian-Doppler-Straße (8,10) 24 Wohnungen
Kreuzstraße (13,15,17,19,19a) 44 Wohnungen
Pillweinstraße (8,10,12,14) 28 Wohnungen
Im Spätherbst 2009 starteten die Arbeiten. An den Gebäuden wurden die Fassade, das Dach und die Kellergeschossdecke gedämmt. Gleichzeitig wurden auch die in die Jahre gekommen Fenster und Türen ausgetauscht sowie diverse Kleinmaßnahmen und Erhaltungsarbeiten erledigt. Lediglich das Objekt Nikolaus-Lenau-Straße 1,3,5 konnte bisher noch nicht thermisch saniert werden, da es unter Denkmalschutz steht und die Vorgangweise der geplanten Sanierungsarbeiten an der Fassade und beim Fenstertausch derzeit noch mit dem Bundesdenkmalamt abgeklärt werden.
Die Gesamtkosten (thermische Sanierung sowie zusätzlich notwendige Arbeiten) für die bisher fertig gestellten Objekte belaufen sich vorläufig auf rund 3,1 Millionen Euro und liegen damit 252.000 Euro unter den ursprünglichen geschätzten Kosten. „Der Baubeginn der zweiten Etappe, welche die Objekte in der Ignaz-Harrer-Straße (44b, 44c), Innsbrucker Bundesstraße (43, 43a, 45, 45a) und Schulstraße (3, 5, 9, 11) umfasst, ist für Sommer/Herbst 2011 geplant. Die Fertigstellung soll Ende 2012/Anfang 2013 erfolgen“, so Panosch.
Sonderfall Strubergasse
Die Objekte in der Strubergasse waren für die dritte Etappe geplant. Zur thermischen Sanierung sollten die Wohnungen auch zusätzlich mit jeweils eigenen Balkonen ausgestattet werden. „Es war immer mein Bestreben, sollte es die Möglichkeit geben und finanziell machbar sein, dass über die thermische Sanierung hinaus noch zusätzliche Balkone in der Siedlung errichtet werden“, so Panosch. Wie bekannt, wurde der Amtsbericht, mit dem die thermische Sanierung der Strubergassensiedlung um den Anbau von Balkonen erweitert werden sollte, abgelehnt.
„Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass dies eine falsche Entscheidung war. In zwei Anrainerversammlungen haben die Mieter ihren Wunsch nach einer thermischen Sanierung und den Anbau von Balkonen geäußert. Jetzt alles zu stoppen und einen Abriss zu planen, halte ich für kontraproduktiv. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der teilweise Neubau der Siedlung mindestens zehn Jahre dauern wird.“
Während sich die Mieter der ersten Tranche über ihre sanierten Wohnungen freuen können, müssen jene der Strubergassensiedlung auf eine Verbesserung warten. „Durch die Baumaßnahmen wird der CO2-Ausstoß der sanierten Wohngebäude pro Jahr um rund 278 Tonnen verringert. Auf 20 Jahre gesehen, ist das eine Ersparnis von 5.500 Tonnen. „Wäre jetzt nicht gegen den Willen der Mieter der Strubergassensiedlung ein anderer Weg eingeschlagen worden, könnten diese ebenso von den Energieeffizienzmaßnahmen profitieren und müssten vor allem aber nicht aus ihren Wohnungen raus“, so Panosch.
Erfolgsgeschichte KgL
2005 hat sich die Stadt entschlossen, die Verwaltung und Instandhaltung ihrer Wohn- und Geschäftsgebäude an die KgL (Kommunale gswb Liegenschaftsverwaltung GesmbH), eine gemeinsame Tochtergesellschaft von Stadt Salzburg und GSWB, auszulagern. „Die Erfahrungen mit dieser Konstruktion seit 2005 sind äußerst positiv. In den vergangenen Jahren konnten insgesamt 208 umfassende Wohnungssanierungen durchgeführt werden. Rund 9,1 Millionen Euro wurden dabei in die städtische Gebäude investiert.“ Zusammen mit der thermischen Sanierung wurden somit in den letzten Jahren insgesamt 12,3 Millionen Euro in die städtischen Gebäude investiert. Durch die Auslagerung erspart sich die Stadt längerfristig betrachtet pro Jahr rund 705.000 Euro im laufenden Betrieb der Wohnungsverwaltung an Personalkosten.
Verpflichtende Energie-Raumordnung
Wie wichtig das Setzen von Energiesparmaßnahmen ist, zeigen die durch die japanische Atomkatastrophe verschärft aufgekommenen Energiediskussionen. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, möglichst rasch eine Energie-Raumordnung in Salzburg zu schaffen. Eine Energie-Raumordnung sollte verbindlich festlegen, in welchen Stadtteilen bzw. Gebieten des Landes welche Art der Wärmeversorgung gefördert wird.
Panosch: „Es ist eine Verschwendung von Steuergeldern individuelle Heizungssysteme (wie Biomassekessel oder Solarthermie) in Gebieten zu fördern, in denen das Fernwärmenetz bereits großflächig ausgebaut ist.“ Hier macht es mehr Sinn, die Optimierung des Fernwärmenetzes zu fördern (Abwärmeauskoppelung zur Fernwärmeeinspeisung, Umstellung Primärenergieträger auf erneuerbare Energie, Effizienzsteigerung im Netz) bzw. nur Photovoltaik als Anreiz zur Solarenergienutzung zu unterstützen. Umgekehrt ist es natürlich ebenso sinnlos, in dünn besiedelten ländlichen Gegenden Fernwärmeerschließungen zu fördern, wenn man dort beispielsweise mit Einzelheizungen (Solarthermie, Biomasse, Umgebungswärme) besser bedient wäre.“
Nicht vergessen werden darf, dass der großflächige Einsatz von Biomasse in Ballungsgebieten zu einer erheblichen Feinstaubbelastung führt, da die Verbrennung von Biomasse – egal ob durch natürliche Waldbrände oder vom Menschen verursacht – eine große Menge an Gasen und Partikeln erzeugt. Auch das sollte eine Energieraumordnung berücksichtigen. Das von der EU vorgegebenen Klimaziel zu erreichen, sei grundsätzlich schon äußerst schwierig.
Hier ist die Politik gefordert, um kluge Anreize zu setzen, damit es nicht zu dem Aufbau einer doppelgleisigen Energieinfrastruktur kommt. Es gibt nur zwei Wege um die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern: Entweder durch strenge Bauvorschriften. Das erhöht die Baukosten, senkt aber langfristig die Betriebskosten. Oder durch ein Anreizsystem zur Förderungen von Energieeffizienzmaßnahmen. „Wenn wir engagierte Klimaziele erreichen wollen, müssen wir das Steuergeld treffsicher einsetzen“, sagt Panosch.
Rückfragen:
Dr. Jürgen Wulff-Gegenbaur
Pressesprecher Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Martin Panosch
Büro: 8072 – 2941
Mobil: 0664 / 85 31 770
Karl Schupfer