Eine Altstadt für Menschen: Siegerprojekt der Begegnungszone in der Salzburger Innenstadt steht fest

V.l.n.r.: Johannes Schallhammer, Architekturbüro Schallhammer (Organisation Wettbewerb); Baudirektor Alexander Schrank; Planungsstadträtin Anna Schiester; Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl; Dominik Bueckers, Vorsitz Gestaltungsbeirat (Vorsitz Jury); Robert Potokar, Architekturbüro Ravnikar Potokar arhitekturni biro d.o.o.; Felix Bauer, Amtsleiter Straßen- und Brückenamt
Das slowenische Architekturbüro Ravnikar Potokar arhitekturni biro d.o.o. hat den Realisierungswettbewerb der Begegnungszone zwischen Neutor und Museumsplatz in der Salzburger Innenstadt gewonnen und die siebenköpfige Jury einstimmig überzeugt. Das Büro wurde 2003 in Ljubljana gegründet und wird von Robert Potokar geleitet. Es arbeitet an Projekten aus Architektur, Stadtplanung und Freiraumgestaltung und bringt umfangreiche Wettbewerbserfahrung mit. Ausschlaggebend war nicht ein möglichst lauter Entwurf, sondern ein Projekt, das den Ort mit großer Sensibilität liest und zugleich eine starke eigene Haltung entwickelt.
Die Altstadt ist für alle da
Das Siegerprojekt setzt auf eine behutsame Weiterentwicklung der Salzburger Altstadt. Im Zentrum steht ein respektvoller Umgang mit der historischen Struktur, kombiniert mit zeitgemäßen Elementen für ein lebendiges und vielfältig nutzbares Stadtzentrum. Die Jury hob dabei besonders die subtile und zugleich intensive Auseinandersetzung mit den Orten, Plätzen und ihren Verbindungen hervor. Gerade in dieser Zurückhaltung liege viel Qualität und ein eigenständiger Charakter.
Die Begegnungszone wird als „Shared Space“ gedacht – ein flexibler Stadtraum für Fußgänger:innen, Radfahrende und den öffentlichen Verkehr. Ein durchgängiges Gestaltungselement bildet großteils ein hochwertiger Granitbelag, der bestehende Strukturen aufnimmt und weiterentwickelt. Ergänzend dazu wird auch Betonstein eingesetzt. Begrünungsmaßnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip verbessern das Mikroklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Geplant sich auch künstlerische Interventionen, die den Stadtraum atmosphärisch aufwerten.
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist darüber hinaus die gezielte Einbindung von Kindern in die Nutzung des öffentlichen Raums. Mit eigens vorgesehenen Spielskulpturen und interaktiven Elementen entstehen Orte, die nicht nur funktional sind, sondern auch zum Entdecken und Verweilen einladen – und damit eine Altersgruppe ansprechen, die in innerstädtischen Planungen oft zu wenig berücksichtigt wird.
Wettbewerb war europaweit ausgeschrieben
Teil der Jury waren Vertreter:innen aus Architektur, Landschaftsplanung, Politik und Verwaltung. Den Vorsitz hatte Dominik Bueckers, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, inne. Die Organisation des Wettbewerbs erfolgte über den Architekten Johannes Schallhammer. Der Wettbewerb war europaweit ausgeschrieben; aus ursprünglich 38 Bewerbungen wurden 12 Teams für die zweite Stufe ausgewählt.
Stimmen zum Projekt
Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl, dessen Bauabteilung für das Verfahren und den Bau des Platzes zuständig ist, sagt: „Der Wettbewerb mit 38 internationalen Einreichungen war intensiv und spannend. Es geht nicht nur um einen, sondern um vier Plätze plus Straßen und Gassen, die neu gestaltet werden. Das ist keine leichte Aufgabe. Das Siegerprojekt aus Ljubljana hat dafür eine überzeugenden Lösung gefunden. Der Boden wird mit Granit und Betonstein gepflastert. Es kommen neue Bäume, einladende Sitzgelegenheiten und man bezieht den unterirdischen Almkanal ein. Erstmals werden auch Kinder mitgedacht, für die es interaktive Elementen und Spielskulpturen gibt. Die Verkehrsberuhigung ist eine Chance, diese Gegend auch für Stadt-Salzburger wieder einladender zu machen.“
Planungsstadträtin Anna Schiester: „Mit dem Beschluss zur Begegnungszone haben wir eine klare verkehrspolitische Grundlage geschaffen: weniger Durchzugsverkehr, mehr Raum für Menschen – mitten im Welterbe. Der Wettbewerb baute darauf auf. Und das Ergebnis zeigt, wie diese Entscheidung räumlich umgesetzt werden kann: mit hoher gestalterischer Qualität, die dem sensiblen Kontext der Altstadt gerecht wird. Das Ergebnis ist ein Stadtraum mit deutlich mehr Qualität: mehr Platz zum Gehen, mehr Aufenthaltsorte, mehr Grün und spürbare Verbesserungen für das Stadtklima. Die Altstadt wird damit noch stärker zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält – nicht nur durchfährt.“
Baudirektor Alexander Schrank: „Gut Ding braucht Weile. Nach intensiv geführten Diskussionen und professioneller Vorbereitung konnte der Wettbewerb zur Umsetzung des Projektes „Begegnungszone Innenstadt“ nun abgeschlossen werden. Ich freue mich auf die nächsten Schritte und die Realisierung eines richtungsweisenden Projektes.“
Dominik Bueckers, Vorsitz Gestaltungsbeirat (Vorsitz Jury): „Die Schließung des Neutors für den motorisierten Individualverkehr ermöglicht einen substanziellen Teil der Altstadt wieder mehr für den Menschen zu gestalten. Der Wettbewerb hat das Potenzial der Neugestaltung in unterschiedlichen Strategien aufgezeigt. Das Siegerprojekt konnte mit spezifischen Identitäten für die gewachsenen Gassen und Platzräume überzeugen, so wurden gleichartige Bilder, die man in vielen Altstadtsituationen kennt, vermieden.
Der vorgeschlagene Belagsteppich setzt bewusst die Fußgänger:innen in den Vordergrund – eine sehr wertige Ausformulierung des öffentlichen Raums, der es zudem ermöglicht die unterschiedlichen Bedürfnisse des Alltags in der Altstadt nahtlos zu integrieren. Durch präzise Baumsetzungen und Entsiegelung von Bereichen entsteht zudem ein Mehrwert für das Stadtklima – die Gassen und Platzräume sind so auch in den heißen Sommermonaten attraktiv.
Das Siegerprojekt zeigt ein attraktives Bild der Zukunft der Altstadt auf. Wichtig ist jetzt für die Stadt Salzburg dieses Bild gemeinsam mit dem Architektenteam für alle erlebbar zu machen.“
Architekt Johannes Schallhammer: „38 Teams aus Europa haben sich für diese herausfordernde Aufgabe mit hochwertigen Referenzen beworben. Die besten zwölf wurden ausgewählt und aufgefordert einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten. Die Vielfalt der Lösungsansätze war beeindruckend, wobei drei Entwürfe klar hervorstachen. Im Rahmen einer vertieften Überarbeitung konnte sich das Siegerteam letztendlich eindeutig mit dem feinfühligsten Projekt durchsetzen. Meine Gratulation!“
Wettbewerb, Ablauf und nächste Schritte
Der Realisierungswettbewerb wurde als zweistufiges Verfahren durchgeführt: Nach einer Vorauswahl durch die Jury wurden 12 Büros zur Ausarbeitung von Projekten eingeladen, 11 Entwürfe wurden fristgerecht eingereicht. Nach einer ersten Jurysitzung im Jänner 2026 wurden drei Teams zur Überarbeitung eingeladen. In der finalen Sitzung am 24. März 2026 wurde das Siegerprojekt gekürt.
Das Wettbewerbsgebiet umfasst rund 12.000 Quadratmeter und erstreckt sich vom Neutor bis zum Franz-Josef-Kai. Es beinhaltet mehrere zentrale Plätze – darunter Herbert-von-Karajan-Platz, Bürgerspitalplatz, Anton-Neumayr-Platz und Museumsplatz – sowie die verbindenden Gassen. Ziel des Wettbewerbs war es, einen zusammenhängenden Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, der gleichzeitig die Anforderungen des öffentlichen Verkehrs und des Lieferverkehrs berücksichtigt. Das nun prämierte Projekt erfüllt diese Anforderungen in besonderer Weise.
Als nächster Schritt ist ein Grundsatzbeschluss zur Umsetzung im Gemeinderat vorgesehen. Die Projektkosten werden aktuell mit rund 12,8 Millionen Euro veranschlagt. Ein Baubeginn ist – nach Abschluss der Planungen und Ausschreibungen – für 2027 oder 2028 geplant, die Fertigstellung bis 2030. Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit weiteren Bauvorhaben in der Altstadt, darunter Projekte im Umfeld der Salzburger Festspiele sowie infrastrukturelle Maßnahmen des Landes Salzburg.
Ein kurzer Blick zurück auf die Anfangsphase
Vor fünf Jahren hat die Stadt Salzburg den Masterplan Gehen beschlossen. Seither arbeitet die Stadt konsequent daran, Wege für Fußgänger:innen attraktiver, sicherer und barrierefrei zu gestalten. Attraktiver heißt auch, dass mehr Bäume, konsumfreie Aufenthaltsbereiche zum Verweilen und Spielräume für Kinder geschaffen werden.
In der Altstadt ist die Begegnungszone zwischen Neutor und Museumsplatz dabei ein zentrales Projekt: Vier historische Plätze (Herbert-von-Karajan-Platz, Bürgerspitalplatz, Anton-Neumayr-Platz und Museumsplatz) und die dazwischenliegenden Straßenräume sollen zu einem zusammenhängenden, verkehrsberuhigten und klimaangepassten Stadtraum weiterentwickelt werden. Aktuell sind auf dieser Achse rund 12.000 Fahrten pro Tag zu verzeichnen. Ziel der Verkehrsberuhigung ist es, diesen Durchzugsverkehr um etwa zwei Drittel zu reduzieren.
Aufbauend auf intensiven fachlichen Vorarbeiten wurde zunächst von der Verkehrsplanung ein integrierter Planungsprozess gestartet. In den Jahren 2021 und 2022 wurden gemeinsam mit Betrieben, Institutionen und Bürger:innen die Anforderungen an diesen zentralen Stadtraum erarbeitet – von der Verkehrsberuhigung über Aufenthaltsqualität bis hin zu Fragen der Nutzung und Gestaltung.
Mit dem Beschluss im Planungs- und Verkehrsausschuss im Dezember 2024 wurde die Grundlage für die Verkehrsberuhigung der Altstadt geschaffen. Konkret wurde festgelegt, dass zwischen Neutor und Museumsplatz eine Begegnungszone eingerichtet wird und die Durchfahrt durch das Neutor – nach der festspielbedingten Totalsperre dauerhaft eingeschränkt bleibt – mit definierten Ausnahmen für Anrainer:innen, Öffis, Lieferverkehr und Einsatzdienste. Dieser Beschluss war die Grundlage für den Wettbewerb: Er definiert die verkehrliche Zielsetzung – weniger Durchzugsverkehr, mehr Aufenthaltsqualität – und schafft damit den Rahmen für die nun vorliegende gestalterische Lösung.
Der nun abgeschlossene Realisierungswettbewerb baut darauf auf. Er zeigt, wie diese verkehrspolitische Entscheidung konkret im Stadtraum umgesetzt werden kann: als durchgängige, qualitätsvolle Begegnungszone über vier zentrale Plätze hinweg, mit mehr Raum für Fußgänger:innen, neuer Verkehrsorganisation und einer spürbaren Aufwertung des öffentlichen Raums zugunsten des Umweltverbunds. Damit macht das Wettbewerbsergebnis sichtbar, was der politische Beschluss bereits angelegt hat: eine Altstadt, die nicht vom Verkehr dominiert wird, sondern als zukunftsträchtiger Lebens-, Aufenthalts- und Wirtschaftsraum funktioniert.
Auszug aus der Begründung der Jury
Das Projekt überzeugt mit seiner subtilen und gleichfalls intensiven Auseinandersetzung mit den Orten, Plätzen und ihren Verbindungen. In der gewählten Zurückhaltung liegt viel Qualität und eigenständiger Charakter, was insgesamt zu einer diesem Gebiet angemessenen Gesamtlösung führt. Die Vielfalt und Finesse der angebotenen Details ist ebenso beeindruckend wie die konsequente Haltung. Deutlich wird in diesem Vorschlag auch die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Stadtraum (auch seiner wertvollen Geschichte!) und seinen künftigen Bedürfnissen. Die ortsbezogenen Oberflächenqualitäten wirken dabei ebenso schlüssig, wie die vorgeschlagene Verteilung zusätzlicher Bäume und Möblierungselemente.
Wie bereits erwähnt lassen der hohe Grad an (charakteristischer) Komplexität und Detaillierung große Wirksamkeit, funktionale Flexibilität und Identität erwarten.
Das Projekt setzt auch in seiner Überarbeitung die qualitativ hochwertige und gleichermaßen feinfühlige, intensive Auseinandersetzung mit der Gestaltungsaufgabe und den Orten selbst fort. Entscheidend für die Jury war, die erklärte Zuversicht, dass selbst über den weiteren Planungsprozess und mögliche (ggf. notwendige) Änderungen die genuine Stärke des Konzepts und den so deutlichen Charakter nicht zur Unkenntlichkeit abschwächen würden. Auch die Flexibilität in bauwirtschaftlicher Hinsicht wurde gewürdigt und sieht sich die Jury hier in ihrer Absicht bestätigt, der Stadt Salzburg einen so engagierten und kompetenten Planungspartner gefunden zu haben.
Sowohl die Finesse der planerischen Anliegen als auch das reichhaltige Angebot an differenzierten Atmosphären, Details und Elementen unterstreichen insgesamt die gestalterische Haltung und den hohen Grad an planerischer Qualität. Die Jury wurde davon überzeugt, hier nicht nur das angemessenste Projekt, sondern insgesamt größte Potential und damit gleichfalls das Versprechen einer der Stadt Salzburg entsprechenden hochwertigen Umsetzung gefunden zu haben.
Mitglieder der Jury
- DI Dominik Bueckers, Landschaftsarchitekt, Zürich
- Mag. Kay-Michael Dankl, Bgm.-Stv., ressortzuständig für das Bauwesen
- MMag.a Sonja Gasparin, Architektin, Faak am See
- DI Florian Medicus, Architekt, Salzburg
- Anna Schiester, MA, Stadträtin
- DI Alexander Schrank, Baudirektor
- DI Peter Wimmer, Architekt, Bregenz
Zum Sieger:innenbüro
Ravnikar Potokar arhitekturni biro d.o.o. wurde 2003 von Vojteh Ravnikar und Robert Potokar in Ljubljana gegründet. Das Büro arbeitet an Projekten von Architektur und Stadtplanung bis zur Gestaltung von Außenräumen und arbeitet mit zahlreichen externen Expert:innen und Partner:innen zusammen, um auch größere Projekte realisieren zu können. Das Team besteht aus 10 bis 12 Architekt:innen mit langjähriger Berufserfahrung und wurde bereits für zahlreiche Arbeiten national und international ausgezeichnet.
Zu den größeren Projekten, die das Büro realisiert hat, gehören verschiedene Schul- und Sporteinrichtungen in Slowenien: Grundschulen in Grosuplje, Kamnik und Litija, weiterführende medizinische Schule in Celje, Wirtschaftsschule in Bled, mehrere Sporthallen, das Kolezija-Schwimmbad in Ljubljana, Einrichtungen in Škocjanski zatok in Koper, Pflegeheime in Ljubljana und Idrija sowie städtische Außengebiete in Škofja Loka, Ajdovščina, in Postojna und Nova Gorica.
Robert Potokar ist Architekt und Leiter des Architekturbüros Ravnikar Potokar. Gemeinsam mit seinen Koautoren erhielt er 30 erste Preise in öffentlichen Wettbewerben und realisierte zahlreiche Projekte, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, darunter die Piranesi-Erwähnung 1996 und 1998, der Piranesi-Preis 2004 sowie der ZAPS Goldene Stift 2007, 2008, 2015, 2019 und 2021. Seit über 25 Jahren ist er Mitbegründer der mitteleuropäischen Architekturzeitschrift Piranesi und seit 2010 deren Chefredakteur. Ebenfalls seit 2010 ist er Gastdozent an der Universität Maribor, wo er 2015 zum Assistenzprofessor ernannt wurde.
Tobias Neugebauer