„Konfetti im Kopf“: Salzburg macht Demenz zum Thema

v.l.: Ulrich Gsenger, Leiter der Demenzberatung des Diakoniewerks Salzburg; Roswita Moik-Hotter, Demenzberatung Stadt Salzburg; Stadträtin Andrea Brandner
Zwölf kostenlose Veranstaltungen laden von 16. bis 23. September zum Informieren, Erinnern und gemeinsamen Erleben ein
Rund 3.000 Menschen in der Stadt Salzburg leben mit einer Demenzerkrankung. Tatsächlich betrifft Demenz jedoch einen noch viel größeren Personenkreis: Angehörige, Freund:innen, Nachbar:innen sowie Menschen, die beruflich in der Pflege, Betreuung oder Beratung tätig sind. Für viele Familien verändert die Erkrankung den gesamten Alltag. Neben den praktischen Herausforderungen kommen häufig Unsicherheit, Überforderung und die Sorge hinzu, mit der Situation allein zu sein.
Gerade deshalb ist es wichtig, Demenz nicht zu verdrängen, sondern offen und respektvoll darüber zu sprechen. Wissen kann Ängste nehmen, rechtzeitige Information eröffnet Handlungsmöglichkeiten und persönliche Begegnungen tragen dazu bei, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen.
Mit der Salzburger Woche für Demenz setzt die Stadt Salzburg von 16. bis 23. September 2026 ein deutliches Zeichen. Unter dem Motto „Konfetti im Kopf – mitten im Leben“ präsentiert das Team Vielfalt zwölf kostenlose Veranstaltungen. Das Programm verbindet Information und Prävention mit Musik, Geschichte, Ernährung, Sicherheit, Spiritualität und Lebensfreude. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie alle Salzburger:innen, die mehr über das Thema erfahren möchten.
Stadträtin Andrea Brandner betont wie wichtig Teilhabe ist: „Wer mit Demenz lebt, soll in unserer Stadt sichtbar bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Und wer einen Menschen mit Demenz begleitet, soll wissen: Sie sind nicht allein. Das ist das Versprechen der Demenzwoche und unser Anspruch für das ganze Jahr.“
Umfangreiches Programm mit zwölf Veranstaltungen
Den Auftakt macht am 16. September die Polizei Salzburg mit „Gemeinsam sicher – Coffee with Cops“. Ältere Menschen und Personen mit beginnenden kognitiven Einschränkungen können sich in ungezwungener Atmosphäre über Sicherheit im Alltag informieren. Ergänzend zeigt der Vortrag „Achtung Betrug!“, wie man sich vor raffinierten Betrugsversuchen am Telefon, an der Haustür und im Internet schützen kann.
Ein besonders wichtiges Angebot ist der Gedächtnischeck mit der Gedächtnisakademie am 17. September im Schloss Mirabell. Interessierte können einfache Tests durchführen und erhalten eine erste Einschätzung sowie Informationen zu Gedächtnis, Vorsorge und geistiger Fitness. Der Gedächtnischeck erfolgt niederschwellig, informativ und ohne Druck. Er soll Mut machen, Veränderungen nicht zu verdrängen, sondern Fragen frühzeitig anzusprechen.
Wie eng Ernährung und geistige Gesundheit zusammenhängen, zeigt die Veranstaltung „Essen gegen das Vergessen“ am 17. September. Experte Manfred Fischer gibt alltagstaugliche Hinweise für eine gehirngesunde Ernährung – sowohl zur Vorbeugung als auch für Menschen, die bereits mit Demenz leben.
Direkt im Anschluss wird in der Zeitreise-Küche gemeinsam gekocht. Vertraute Gerichte, Gerüche und Geschmäcker können Erinnerungen wecken und Gespräche anregen. Dabei geht es nicht nur um gesundes Essen, sondern auch um Gemeinschaft und die Erfahrung, dass Erinnerungen auf vielen unterschiedlichen Wegen lebendig bleiben können.
Die beiden Letzte-Hilfe-Kurse am 17. und 21. September der Hospizbewegung Salzburg beschäftigen sich einfühlsam und praxisnah mit dem Lebensende. Sie vermitteln, was schwerkranke und sterbende Menschen brauchen und wie Angehörige sie begleiten können. Damit greift die Demenzwoche auch jene Fragen auf, die häufig aus Unsicherheit oder Angst lange nicht ausgesprochen werden.
Einer der außergewöhnlichsten Programmpunkte ist die Obusfahrt „Back to the 50s – mit dem Obus zu besonderen Orten“ am 18. September. Die Fahrt führt auf den Spuren der Amerikaner durch das Salzburg der 1950er Jahre. Geschichten, Musik und persönliche Erinnerungen machen eine prägende Zeit der Stadtgeschichte wieder lebendig. Begleitet wird die Fahrt vom USA-Experten Reinhold Wagnleitner und von Historiker:innen des Hauses der Stadtgeschichte. Historische Orte werden dabei zu Ausgangspunkten für gemeinsames Erinnern und Erzählen.
Der Workshop „Schere trifft Herz“ am 21. September richtet sich speziell an Friseurinnen und Friseure. Menschen mit Demenz möchten gepflegt aussehen und sich bei einem Friseurbesuch ebenso wohlfühlen wie alle anderen. Der Workshop vermittelt, wie ein Besuch im Salon ruhig, respektvoll und angenehm gestaltet werden kann. Friseursalons sollen damit als wichtige Orte des alltäglichen Lebens stärker für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz sensibilisiert werden.
Dass Musik Erinnerungen berühren und Menschen miteinander verbinden kann, zeigt „Sing dich zurück“ am 21. September am Universitätsplatz bei der Kollegienkirche. Bekannte Lieder, zwei Gitarren und viele Stimmen laden zum spontanen Mitsingen ein. Es braucht keine Anmeldung und keine musikalischen Vorkenntnisse – nur die Freude daran, gemeinsam Musik zu erleben.
Am 22. September findet in der Kirche St. Andrä ein inklusiver Demenzgottesdienst statt. Einfache Worte, vertraute Rituale und viel Raum für Gemeinschaft schaffen einen würdevollen Rahmen für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und alle Interessierten. Im Anschluss lädt eine gemeinsame Agape zur Begegnung ein.
Den Abschluss der Demenzwoche bildet am 23. September ein gemeinsamer Besuch des Rupertikirtags. Tradition, Begegnung und Lebensfreude stehen dabei im Vordergrund. Menschen mit Demenz sollen nicht am Rand stehen, sondern selbstverständlich am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt teilhaben können.
Alle zwölf Veranstaltungen der Salzburger Woche für Demenz sind kostenlos. Bei einzelnen Programmpunkten ist eine Anmeldung erforderlich.
„Konfetti im Kopf“ wirkt das ganze Jahr
Die Salzburger Woche für Demenz ist ein besonders sichtbarer Höhepunkt, die Beschäftigung mit dem Thema endet jedoch nicht nach diesen acht Tagen. Unter dem Titel „Konfetti im Kopf“ bündelt die Stadt Salzburg auch während des Jahres zahlreiche Informations- und Unterstützungsangebote.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Angehörigen. Sie tragen häufig über lange Zeit einen großen Teil der Betreuung und Verantwortung. Gleichzeitig wissen viele nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten vorhanden sind oder an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können. Die Stadt möchte Orientierung bieten, vorhandene Hilfen sichtbar machen und dazu ermutigen, Unterstützung frühzeitig anzunehmen.
Roswita Moik-Hotter, Demenzberatung Stadt Salzburg: „Aus unserer täglichen Arbeit in der Demenzberatung wissen wir, wie wichtig es ist, Betroffene und Angehörige frühzeitig zu informieren, zuzuhören und zu begleiten. Die Salzburger Woche für Demenz schafft Raum für Wissen, Begegnung und Lebensfreude und macht sichtbar: Menschen mit Demenz gehören mitten in unsere Gesellschaft – und niemand muss diesen Weg alleine gehen.“
Starkes Netzwerk für eine demenzfreundliche Stadt
Entscheidend dafür ist die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Kooperationspartner:innen. Polizei Salzburg, Gedächtnisakademie, Hospizbewegung Salzburg, Seniorenwohnhaus Lehen, Salzburg Linien, Haus der Stadtgeschichte, Universitätspfarre, Diakoniewerk Salzburg, das Referat für Ökumene und den Dialog der Religionen sowie Altstadt Salzburg bringen unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen ein. Durch dieses starke Netzwerk entstehen Angebote, die fachlich fundiert und gleichzeitig nahe am Alltag der Menschen sind.
Ulrich Gsenger, Leiter der Demenzberatung des Diakoniewerks Salzburg: „Ein Mensch mit Demenz ist nicht dumm, er hat Probleme beim Denken, Merken und Sprechen, und er kann sich Dinge nicht gut vorstellen.“
Das gemeinsame Ziel ist eine Stadt, in der Menschen mit Demenz weiterhin sichtbar bleiben, respektiert werden und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Ebenso wichtig ist eine Stadt, in der Angehörige wissen, dass sie mit ihren Fragen und Belastungen nicht allein sind.
Die Salzburger Woche für Demenz lädt dazu ein, genauer hinzusehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Demenz als eine Aufgabe zu begreifen, die uns als gesamte Stadtgesellschaft betrifft.
Information und Anmeldung
Team Vielfalt der Stadt Salzburg
E-Mail: vielfalt@stadt-salzburg.at
Telefon: 0662 8072-2046
www.konfetti-im-kopf.at
www.stadt-salzburg.a
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Hendrik Stoltenberg