Wenn Mini-Salzburg auf das echte Rathaus trifft

Valentin (13) besuchte mit seiner Stadtregierung die echte Gemeinderatssitzung. Dort wurde danach über deren Impulse diskutiert.
Ein Bürgermeistertreffen der besonders aufgeweckten Art gab es am Mittwoch, 15. Juli 2026, im Salzburger Gemeinderat: Der 13-jährige Bürgermeister der Kinderstadt Mini-Salzburg, Valentin, und die 14-jährige Vizebürgermeisterin Lamar besuchten gemeinsam mit Mitgliedern ihrer Stadtregierung die Sitzung des echten Salzburger Gemeinderats. Dort trafen sie auf Bürgermeister Bernhard Auinger und dessen Kolleg:innen – und erhielten einen unmittelbaren Einblick in die kommunalpolitische Arbeit.
Erst am Vortag war in Mini-Salzburg eine neue Stadtregierung gewählt worden. Neben Bürgermeister und Vizebürgermeisterin gehören ihr auch Stadtsekretärinnen und Stadtsekretäre sowie ein Finanzminister an. Dieser konnte bereits eine eindrucksvolle Bilanz vorweisen: 112 Anträge wurden in der Kinderstadt beantwortet. Eine der aktuellen Ideen sieht vor, an jeder Station von Mini-Salzburg mindestens zwei Pflanzen aufzustellen.
Nach dem Besuch der Kinder diskutierte der Gemeinderat unter dem Titel „Kinderstadt Mini-Salzburg. Was nehmen wir für die Zukunft mit?“ über die bildungspolitische, gesellschaftliche und demokratiepolitische Bedeutung des Projekts.
Eines der größten bildungspolitischen Experimente
Thomas Schuster, Organisator der Kinderstadt, stellte das Projekt und seine Entwicklung vor. Mini-Salzburg findet bereits zum zwölften Mal statt und zählt zu den größten bildungspolitischen Experimenten seiner Art. Die Kinder werden gehört und gesehen, übernehmen selbstständig Aufgaben und erfahren unmittelbar, wie eine Stadt funktioniert.
Bereits 2003 wählten die Kinder in Mini-Salzburg eine Bürgermeisterin – und damit früher als viele reale Städte. Zudem ist die Kinderstadt international mit vergleichbaren Projekten in anderen europäischen Ländern vernetzt.
Stimmen aus dem Gemeinderat
Sade Soyoye (SPÖ) erinnerte sich an ihre eigenen Erlebnisse in der Kinderstadt: Sie habe dort als Kind ganze Tage von früh bis spät verbracht. Mini-Salzburg sei eines der bedeutendsten Highlights ihrer Kindheit gewesen. Das Projekt sei weit mehr als ein Ferienprogramm: Kinder erlebten Partizipation und Mitgestaltung und lernten, dass ihr eigenes Handeln etwas verändern könne. Mini-Salzburg gehöre zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbeteiligungsprojekten Österreichs. Besonders wichtig sei, das Angebot für alle Familien leistbar zu halten. Damit werde letztlich auch die Demokratie gestärkt.
Cornelia Plank (KPÖ) betonte, dass alle Kinder zur Kinderstadt beitragen könnten und großer Wert auf Gleichberechtigung gelegt werde. Strukturelle Ungleichheiten sollten dort möglichst keinen Platz haben. Kinder wollten Verantwortung übernehmen und einen eigenen Beitrag leisten. Diese Erfahrung habe sie auch in ihrer Tätigkeit als Lehrerin und Rettungsschwimmerin immer wieder gemacht.
Klubobfrau Delfa Kosic (ÖVP) gratulierte Bürgermeister Valentin und der Vizebürgermeisterin Lamar herzlich zu ihrer Wahl. Mini-Salzburg biete Kindern die Gelegenheit, Politik unmittelbar zu erleben. Sie dankte Thomas Schuster und Petra Burgstaller vom Verein Spektrum für ihr Engagement. In der Kinderstadt werde gesellschaftlicher Zusammenhalt vermittelt: Die Kinder lernten, wie Entscheidungen entstehen, weshalb Regeln wichtig sind und dass jede und jeder etwas beitragen könne. Gleichzeitig würden Fähigkeiten in den Bereichen Digitalisierung, Medienkompetenz, Arbeit und Lernen gestärkt. Öffentliche Mittel sollten dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen für Kinder und Familien entfalteten. Kosic sprach sich zudem für mehr Krabbelgruppen sowie ein regelmäßiges Kinder- und Jugendforum aus.
Dzana Schütter (Bürgerliste) beschrieb Mini-Salzburg als eine eigene kleine Welt, die den Kindern gehöre. Das Projekt sei nachhaltig, weil seine Wirkung nicht nach drei Wochen ende. Die Erfahrungen, die Kinder dort sammelten, begleiteten sie weit über die eigentliche Kinderstadt hinaus.
Renate Pleininger (FPÖ) bezeichnete Mini-Salzburg als echtes Zukunftslabor. Die Kinder erlebten dort konkret, was Arbeit, Lohn und die Verteilung von Ressourcen bedeuteten. Ein derartiges Projekt müsse auch künftig von der Politik umfassend unterstützt werden.
Lukas Rupsch (NEOS) hob das Prinzip des eigenständigen Verwaltens und Gestaltens hervor. Die Erfahrungen aus Mini-Salzburg sollten aus seiner Sicht durch einen Jugendgemeinderat dauerhaft weitergeführt werden. Zugleich stellte er die Frage, weshalb das Thema von der zuständigen Ressortführung nicht stärker aufgegriffen werde.
Christoph Ferch (SALZ) betonte die Wertevermittlung an die nächste Generation. Politische Bildung wirke besonders gut, wenn sie spielerisch und durch eigenes Handeln vermittelt werde. Freiheit bedeute immer auch Verantwortung für andere. Demokratie sei kein abstraktes System, sondern ein gemeinsamer Gestaltungsauftrag. In Mini-Salzburg entwickelten Kinder Eigenverantwortung, Teamfähigkeit und wirtschaftliches Denken. Das Projekt vermittle ihnen eine zentrale Botschaft: „Wir trauen euch etwas zu.“ Dadurch entstünden Selbstwirksamkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Karl Schupfer