More than a guest: Stadt Salzburg feiert 40 Jahre AIR und 20 Jahre SIR
Doppel-Jubiläumsjahr 2026 stellt internationalen Austausch in Kunst, Wissenschaft und Literatur in den Mittelpunkt
(v.l.n.r.: Julia Rafetseder (SIR-Programm), Bernhard Auinger (Bürgermeister), Dagmar Aigner (Kulturabteilungsvorständin), Martina Greil (AIR-Programm))
Die Stadt Salzburg feiert 2026 zwei Jubiläen ihrer internationalen Austauschprogramme: 40 Jahre artists-in-residence, kurz AIR, und 20 Jahre scientists-in-residence, kurz SIR. Was 1986 mit einem Gastatelier im Künstlerhaus begann und 2006 um ein wissenschaftliches Pendant erweitert wurde, ist heute ein wichtiger Teil von Salzburgs Profil als Kultur- und Wissensstadt.
Beide Programme schaffen Zeit, Raum und Kontakte: Internationale Künstler:innen arbeiten in Salzburg, Salzburger Künstler:innen sammeln Erfahrungen in Partnerstädten und Partnerinstitutionen. Forscher:innen und Literat:innen kommen für einen konzentrierten Arbeitsaufenthalt nach Salzburg und vernetzen sich mit lokalen Wissenseinrichtungen. Daraus entstehen Projekte, Publikationen, Veranstaltungen und Netzwerke, die über den Aufenthalt hinausreichen.
Bürgermeister Bernhard Auinger unterstreicht die Bedeutung dieses Doppel-Jubiläums: „Die Austauschprogramme AIR und SIR zeigen seit Jahrzehnten, wie sehr internationale Begegnungen unsere Stadt bereichern. Der künstlerische und wissenschaftliche Dialog hat Salzburg nicht nur vielfältiger gemacht, sondern auch unseren demokratischen Anspruch gestärkt: offen zu sein für neue Perspektiven, für andere Erfahrungen, für Menschen aus aller Welt. Dieser Austausch ist ein Wert an sich – und ein sichtbares Zeichen dafür, wie lebendig, neugierig und weltoffen Salzburg ist.“
Jubiläumsausstellung und Programm im November 2026
Unter dem Leitmotiv „More than a guest“ macht die Stadt Salzburg das Doppeljubiläum im November 2026 mit einer Jubiläumsausstellung und einem Begleitprogramm sichtbar. Zentraler Programmpunkt ist die Vernissage am Mittwoch, 4. November 2026, um 19 Uhr in der Stadtgalerie Museumspavillon im Mirabellgarten. Gezeigt werden Werke lokaler und internationaler Künstler:innen aus dem AIR-Programm. Die Ausstellung macht sichtbar, wie weit das Netzwerk der Stadt Salzburg nach vier Jahrzehnten gewachsen ist und welche Spuren Residencies in Biografien, künstlerischen Arbeiten, Forschungsprojekten und in der Stadt selbst hinterlassen.
Das Begleitprogramm führt die Themen Austausch, Kunst, Wissenschaft und Literatur an vier Abenden weiter:
- 4. November 2026, 19 Uhr: Vernissage „More than a guest“ in der Stadtgalerie Museumspavillon im Mirabellgarten.
- 5. November 2026, 19 Uhr: Konzert „Project longboardharp“ von Florian Tuercke. Der Künstler entwickelt, baut und spielt Saiteninstrumente, deren eigene Klangwelten sich dem digitalen Sound KI-generierter Musik entgegenstellen.
- 11. November 2026, 19 Uhr: Talk „More than a guest: Residencies, die Spuren hinterlassen“ mit Philip Paulus, Mischa Reska und Kerstin Hödlmoser von der Universität Salzburg, Fachbereich Psychologie.
- 18. November 2026, 19 Uhr: Lesung mit Carolina Schutti. Die Autorin ist als Writer in Residence zu Gast in Salzburg und liest aus ihrem Lyrikband „Relative Ruhe“.
- 25. November 2026, 19 Uhr: „Kunststoff“, Konzert- und Leseabend mit Susanne Szameit und Sigrid Gerlach mit Texten und Liedern aus den Ländern der Kooperationspartner.
Abteilungsvorständin für Kultur, Bildung, Wissen Dagmar Aigner erläutert: „Die Internationalität Salzburgs als Kultur- und Wissensstadt lebt ganz wesentlich von den Austauschprogrammen. Dadurch werden auf direktem Weg Ansätze, Positionen und Interpretationen aus anderen Teilen Europas bzw. der USA nach Salzburg geholt. Sowohl die konkret am Austauschprogramm teilnehmenden Künstler:innen und Wissenschafter:innen wie auch die Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsszene Salzburgs insgesamt profitieren von diesen Kontakten.“
40 Jahre artists-in-residence: Ein Gastatelier wird zur Kulturmarke
Das AIR-Programm zählt seit 40 Jahren zu den zentralen internationalen Austauschformaten der Stadt im Bereich Bildende Kunst. Ausgangspunkt war die Idee, im Künstlerhaus ein Gastatelier anzumieten, um Künstler:innen aus dem Ausland nach Salzburg einzuladen und zugleich Salzburger Künstler:innen Auslandsaufenthalte zu ermöglichen. Das Mietverhältnis wurde am 1. September 1986 abgeschlossen, Anfang 1987 konnte das Atelier erstmals genutzt werden.
Der Grundgedanke gilt bis heute: Die Stadt Salzburg stellt internationalen Künstler:innen ein kostenfreies Wohnatelier zur Verfügung. Im Gegenzug können Salzburger Künstler:innen in Studios der Partnerstädte und Partnerinstitutionen leben und arbeiten. Seit Beginn des Programms haben bisher 165 lokale Künstler:innen und 314 internationale Künstler:innen teilgenommen. Heute reicht das AIR-Netzwerk unter anderem von Budapest, Dresden, Vantaa und Temeswar bis Red Wing in Minnesota, Bosa auf Sardinien, Rovinj-Rovigno, Schwandorf, Katrineberg in der Region Halland in Schweden und zum VCCA in Mt. San Angelo. Ergänzt wurde das Programm seit 2014 durch AIRStips – Stipendien für freigewählte Auslandsaufenthalte für alle Kunstsparten und seit 2017 durch das MediaArtGrant im Rahmen der Kooperation mit subnet im Bereich Medienkunst.
„Ich bin nun seit 16 Jahren für die Organisation und Abwicklung des AIR zuständig und es ist jedes Jahr aufs Neue aufregend wie viele spannende und interessante Künstler:innen sowohl aus Salzburg als auch international sich für unser Programm interessieren und bewerben. Der Austausch mit diesen Kunstschaffenden ist nicht nur sehr fruchtbar für die internationale Vernetzung der Kunstszene sondern auch für mich persönlich sehr bereichernd“, betont Martina Greil, zuständig für das AIR-Programm.
20 Jahre scientist-in-residence: Salzburg als internationale Wissensstadt
Das scientists-in-residence-programm wurde als Pendant zum AIR-Programm entwickelt und überträgt den Gedanken des internationalen Austauschs auf Wissenschaft, Forschung und Literatur. Ursprung ist die Wohnung Tobias, die der Stadt mit der Auflage vererbt wurde, sie kulturell zu nutzen. Heute steht den Gästen die rund 35 m² große Wohnung Tobias im Stadtteil Maxglan kostenlos zur Verfügung. Zusätzlich erhalten sie ein Stipendium in Höhe von 1.200 Euro bei Anreise aus Europa beziehungsweise 1.500 Euro bei Anreise außerhalb Europas.
Der Aufenthalt als Scientist in Residence oder Writer in Residence dauert jeweils einen Monat. Durchschnittlich sind jährlich rund zehn Forscher:innen und ein:e Literat:in Teil des Programms. Seit Bestehen waren inklusive 2026 insgesamt 144 Forscher:innen und Literat:innen zu Gast. Seit der Neuausrichtung im Jahr 2023 steht das SIR-Programm internationalen Nachwuchswissenschaftler:innen bis 45 Jahre aus allen Disziplinen offen, sofern sie ihren Hauptwohnsitz außerhalb Österreichs haben und mit einer Salzburger Wissenseinrichtung zusammenarbeiten. Die Stipendiat:innen profitieren von Originaldokumenten, Manuskripten, Fachbibliotheken, Laboren, Sammlungen und vom Wissen der Mitarbeiter:innen vor Ort.
„Die Vielzahl an Bewerbungen aus der ganzen Welt zeigt uns immer wieder, wie attraktiv unser Programm ist. Erfreulich ist zudem, dass die geknüpften Kontakte mit den Salzburger Einrichtungen meist auf Dauer angelegt sind und die wissenschaftliche Zusammenarbeit durch die gemeinsame Zeit vor Ort beflügelt wird. Es macht mir viel Freude, dieses Programm mitzugestalten“, so Julia Rafetseder, zuständig für das SIR-Programm.
Stimmen aus dem Programm
Was sagen unsere internationalen Gastkünstler:innen über den Aufenthalt im Gastatelier der Stadt Salzburg:
- „Thank you once again for all you did for my stay and work in Salzburg“ (Maya Spasova, 2018). („Danke noch einmal an alle für das, was ihr für meinen Aufenthalt und meine Arbeit in Salzburg getan habt.“)
- „Raum und Zeit zu erhalten, die ausschließlich einem Projekt gewidmet werden können,
- ist Gold wert“ (Mirjana Petricevic, 2019)
Die Salzburger Künstler:innen, die im Ausland waren haben ebenso wertvolle Erfahrungen gemacht:
- „Temeswar: Es ist großartig, dass die Stadt Salzburg es ermöglichte diese Stadt näher kennenzulernen“ (Isabella Heigl, 2018)
- „Rumänen. Ein herzliches Volk, herzliche Menschen, offen, großzügig im Geben, ob materiell oder immateriell, im Gedankenaustausch, im Anregen, im Kunstschaffen, im Gedankenspinnen, im Frei sein, im Zeit haben“ (Gerlinde Radler, Timisoara 2017)
- „Für mich war der Aufenthalt eine wunderbare Gelegenheit, mich intensiv und abseits
- vom Alltag auf meine schöpferische Arbeit einzulassen“ (Helga Eibl, Meran 2018)
Lapuch Laura BA